Der Aufbruch zum Stillstand?

 

Einführung
Aus welchen Gründen immer, aber mit Ende des 20. Jahrhunderts abendländischer Zeitrechnung verlagerten wir unsere kollektive Position eines unübersehbaren Stillstandes, in eine - erneut versuchte - evolutionäre Vorlage. Nun mussten wir einen ersten Schritt setzen, um nicht zu stürzen. Manche hatten deutlich mehr Vorlage und sahen sich dadurch veranlasst weitere Schritte zu setzen. Sie erhielten aufgrund ihrer Standortverlagerung ganz neue Einsichten. Einige dieser Fortgeschrittenen gingen daraufhin aus eigenem Antrieb und purer Neugierde selbständig weiter, diesen neuen Impuls folgend. Andere wiederum hatten mit dem ersten Ausgleichsschritt bereits wiederum ihre stabile Indifferenz erreicht. Wie ist dieser Aufbruch nun zu sehen?


Jedes Ende ermöglicht einen neuen Anfang

Fin de Siécle, Endzeitstimmung, Eschatologie: Alles schon mal dagewesen. Was wurde daraus gelernt? Das ist die Frage.-
Der Beginn des 21. Jahrhunderts ist von tendenziellem Aufbruch durchzogen, regional begrenzt. Das ist kein Widerspruch zu der vorangegangenen Aussage. Endzeitstimmung findet sich etwa dort, wo durch viele Jahrzehnte Wohlstand erwuchs, Generationen einer bestimmten Arbeit nachgingen. Wo sich aus stereotypen und unkritischen Gewohnheiten saturiertes Establishment entwickeln konnte.


Immer mehr bedeutende Arbeitgeber schlossen nun ihre Werke, die Arbeitskräfte wurden entlassen. In anderen Erdteilen gab es preiswerten Arbeitskraftersatz. Niedrigere Lohnnebenkosten, willfährigere politische Rahmenbedingungen. Auch weniger öffentliche Kritik an unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Die unselbständigen Nutznießer dieser lang gepflegten Einrichtungen wollten sich niemals fragen, an welchem Punkt sie aktuell stehen. Ist das noch optimal oder schon in Richtung maximal unterwegs? „Optimal“ ist gleichbedeutend mit lebensfreundlich, „Maximal“ steht für lebensvernichtend.

Nur zur Erinnerung: Ein TV-Gerät pro Haushalt reichte zuletzt schon längst nicht mehr, ein Automobil ebenso wenig, das Inventar einer Wohnung wird schon längst nicht mehr vererbt – weil es viel zu minderwertig wurde. Der Beispiele gibt es nahezu unbegrenzt viele. Und ein simples Sparbuch wurde durch Zocken in fragwürdigen Aktien ersetzt. Mehr, höher, weiter: Die Gier ist unermesslich. Das ewige Wirtschaftswachstum stieß unausbleiblich an seine Grenzen. Angebot und Nachfrage stehen einem völlig – aus gutem Grund - isolierten Begriff gegenüber, dem persönlichen Bedürfnis. Brauche ich das alles überhaupt?


Dieser Kardinalsfrage ging man als Individuum zumeist großräumig aus dem Weg. Politisch zuerkannte Mündigkeit stand oft diametral dem Konsumverhalten dieser Klientel gegenüber. Der allgemeine „Common Sense“ lautete, sich kritiklos da wie dort einzufügen. Die faktisch fortschreitende Entmündigung wurde als „Luxus des Bedientwerdens“ interpretiert. Nicht vielleicht als unausgesetzte Beschneidung der persönlichen Freiheit.


Angebot und Nachfrage sind in der überwiegenden wenn nicht sogar ausschließlichen Anzahl der Fälle durch ein und das selbe Unternehmen erzeugt und am Markt bestens etabliert worden. Das führte dazu, dass das eben erstandene Teil mit vollzogenem Kauf bereits als veraltet und wertlos bewertet werden muss. Entweder hat es den eingebauten Defekt schon mitgeliefert erhalten oder es zerfällt ehebaldigst, weil es aus minderwertigsten Bestandteilen oder Materialien hergestellt ist.
Hohe Qualitäten sind einem ewigen Wirtschaftswachstum absolut hinderlich und daher auf breiter Basis zu vermeiden. So wie mangelnde Qualitäten einer persönlichen Entwicklung absolut hinderlich sind. Wenn wir einmal von mangelhaften persönlichen Entwicklungen sprechen wollen. Beide Fakten waren der Politik hoch willkommen. Daraus ergab sich erst die Existenzberechtigung dieser sonderbaren Führungseliten.

 

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