Die Bildungsdemontage und ihre Auswirkungen

Eine persönlich - aktuelle Zusammenschau

 

 

„In wissenschaftlichen Fragen, ist die Autorität
Tausender nicht so viel wert, wie das
bescheidene Nachdenken eines Individuums“.

Galileo Galilei, 1564-1642

 

Einleitung

Nachfolgende Beispiele unsäglicher Anmerkungen wie beispielsweise „…Herr Treipl, Sie sind mir unsympathisch, bei mir brauchen Sie nicht zur Prüfung anzutreten, ich trage Ihnen einen Fünfer ein“ - sind an sich kaum der Rede wert. Das ist bei Meisterprüfungen im handwerklichen Bereich durchaus noch heute so wie vor über 30 oder 50 Jahren. Wenn hingegen eine Prüfungskommission zusammentritt und in der Nachbesprechung dezitiert festhält „Ihre Klausurarbeit konnte nicht beurteilt werden,….- Sie haben bestanden!“ – dann entbehrt das nicht nur einer gewissen unfreiwilligen Komik, sondern vor allem einer fundamentalen Hilflosigkeit von so genannten Experten und Expertinnen die mangels Fachkompetenz „Gnade vor Recht“ ergehen lassen, wo aber weder Recht noch Gnade etwas zu suchen haben. Und das unverändert seit über 30 Jahren!

Das österreichische Verhältnis zu Aus- und Weiterbildung könnte wohl kaum treffender auf den Punkt gebracht werden als in diesem systemischen Fehlverhalten und Inkompetenz von Prüfern, sowie allen anderen involvierten Verantwortungsträgern.

In dieser Publikation finden sich neben gravierenden Fallbeispielen, auch ein unverändert herausragender Beitrag eines Ausnahmepolitikers, Spitzenpädagogen, sowie grundlegende Verbesserungsvorschläge zum Thema Bildung allgemein und im speziellen. Was es dazu an sonstigen Voraussetzungen bedarf kann simplifiziert mit einfachem Hausverstand und menschlicher Logik er- und zusammengefasst werden.

Es braucht dazu jedenfalls nicht jahrzehntelanger kunterbunter Schulversuche, keine PISA-Tests oder „Doktorarbeiten“ – Bildung ist ganz einfach möglich!

 

Was verstehen wir heute unter Bildung – eine Standortbestimmung

Abgekürzt bedeutet heute jegliche Ausbildung ungebrochen die Vermittlung von Faktenwissen. Verschärfend kann und wird dieses Faktenwissen auf Zertifikatswissen reduziert, eingedampft: „Wissen“ mit genehmigungs- und kostenpflichtigen Ablauf- respektive Erneuerungsdatum. Heraus kommt dabei eine Unzahl von neuen Fachbereichen, die so überhaupt nicht notwendig wären, da sie weitgehend unsinnig sind. Tatsächlich nähren die Zertifikatsverteiler heute vor allem die neuen Wissenshüter, - sich selbst. Ergänzend orientiert sich der moderne Bildungsstaat am schwächsten Glied in der Ausbildungskette, dem lernverdrossenen bis unwilligen Regelsubjekt.

Öffentlich nicht gefragt – und daher auch nicht integraler Bestandteil – sind Ausbildungskomponenten wie Willensbildung, Charakterbildung, Bewusstseins-bildung, Gewissensbildung, Erfahrungsbildung, Herzensbildung, Vorstellungsbildung (Fantasie-Entwicklung), Gefühlsbildung und noch einige andere „–bildungen“ dazu, die zur Erlangung erhöhter menschlicher Ganzheit (= Integrität = Authentizität = Identität) von weitreichender Bedeutung sind.

Anstatt dessen werden so Unsäglichkeiten wie NLP (= Neurolinguistische Programmierung), politische Ponerologie, oder Social-Engineering gelehrt, deren alleinige Zielvorgaben die rasche zur-Strecke-Bringung des „Partners vis-a-vis“ zur Aufgabenstellung haben und tradierte Werte wie Respekt oder Akzeptanz des Mitstreiters vulgo Mitmensch – in seiner oder ihrer eigentümlichen Art und Weise - schlichtweg ignorieren oder vorsätzlich missachten.

Zudem scheint es so, als ob das ganze, wie zuvor beispielhaft angeführte „Zusatzbildungen“ heute nicht nur sehr oft als unnütz dargestellt werden, sondern direkt als vermeidbar, weil „Wissen“, - folglich auch der gesamte Bereich der Aus- und Weiterbildung - einer nachvollziehbaren Norm, einer Standardisierung zu folgen hat, die in jeder Phase kontrollierbar bleiben soll.

Dieser offensichtliche Eindruck entsteht durch die – vorgeblichen – Sicherheitsprobleme, mit denen wir uns jeden Tag vermehrt konfrontiert sehen, die aber tatsächlich und das nahezu ausnahmslos virtuellen Vorstellungswelten nationaler und internationaler Verantwortungsträger entspringen, deren erklärtes Ziel die absolute Kontrolle aller Individuen zu sein scheint.

Folglich ist in einer diametral dazu angesiedelten, möglichst großen, sich in ständiger Erweiterung begriffenen Aus- und Weiterbildungswelt ein wirksames Werkzeug zur Vorbeugung absolutistischer Weltenführer mit größtmöglichem Eigennutzen für den lernbegierigen Menschen zu erblicken.

 

Bildung ist grundsätzlich begrüßenswert

Was wir jedoch sicher nicht brauchen, sind akademische Turmkranführer – die kommen auch ohne einschlägiges Studium hoch hinaus; altphilologisch begabte Baggerfahrer – die moderne Ausgabe von Indiana Jones auf der Suche nach dem nicht eingezeichneten Gasrohr; theaterwissenschaftlich geschulte Kanalbrigaden – ein Heiterkeitsanfall auf subcutanem Terroire, oder theologisch versierte Paketlieferanten – im steten Glauben der rechten Zustellung geschult. Nicht nur, - was sich bislang noch nicht bis in die erste politische Reihe herumgesprochen hat – weil wir dafür viel zu wenig Universitäten und Fachhochschulen, geschweige denn das dafür notwendige Kleingeld besitzen und die gemutmaßten – aber niemals bewiesenen Langzeitstudien – vorgelegt wurden, wonach dadurch, und nur dadurch die Berufschancen der neuerwachsenden akademischen Springflut auch nur um einen Tick steigerungsfähig wären. Noch dazu wenn Bildung wie bisher so streng reglementiert und ideologisch unterlegt ablaufen soll. Nicht zuletzt ist gänzlich ungeklärt welcher Arbeitgeber denn bitte die neuen akademischen Kollektivverträge zahlen soll?
  Das entspringt daher alles – höchst wahrscheinlich - einer längst als antiquiert erkannten sozialistischen Utopie, der Gleichmacherei, der Uniformität, der Normierung und Standardisierung. Verkürzt könnte in diesem Kontext auch von nationalen Bildungs-KZ-Bestrebungen gesprochen werden, die hier erneut fröhliche Urständ´ feiern sollten. Unter dem Stichwort „der stets kontrollierbare Mensch“ erscheint das daher erklär- und nachvollziehbar (siehe Kapitel zuvor).
„Das ganze Leben ist ein ständiger Lernprozess“, was nachgerade einmal als Plattitüde oder Binsenweisheit eingestuft werden kann (ähnlich dem „Klimawandel“, den es noch niemals in einer anderen Ausführung gab) und man darüber getrost zur Tagesordnung zurückkehren kann und soll. Das was hier an der Bildungsperipherie heute so propagandistisch abgeht, in bereitgehaltene Mikrofone emittiert wird, entspricht qualitativ der gut eingeölten Schildbürgerei „Licht-mittels-Kübeln-in-ein-Rathaus-tragen-zu-wollen“, oder der Geschichte „Des Kaisers neue Kleider“. Der sozialistische Volksbildungsgedanke mit Volksuniversitäten, sowie angeschlossenen sozialistischen Gemeinwohl-Einrichtungen ist gottlob Vergangenheit – und dort soll er auch bleiben.

Der berufliche Ausbildungs-Lernprozess an sich gehört nach all dem Vorangesagten dorthin wo er hin gehört: zu den Erfahrenen, zu den gereiften Mitmenschen, zu den Praxisorientierten, zu den wahren Meistern ihres Faches. Dazu braucht es keiner Pädagogenausbildung, sondern lediglich Herz, Hirn und Charakter.
  Ausbildung sollte durchaus etwas kosten. Bekanntermaßen ist guter Rat immer teuer gewesen, warum sollte sich ausgerechnet heute daran etwas geändert haben? Damit wäre dem leidigen Problem der Outdrops, der Studienabbrecher, der lernunwilligen und asozialen Lehrlinge und Studenten rasch ein Ende bereitet. Wer für sein Lernvorhaben zahlen muss überlegt zuerst ob er nur Ausbildner ärgern möchte, sinnlose Zeit verplempern oder ob ein Ziel der auslösende Beweggrund dafür war und ist.

 

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