Sie sind dabei eine Wüste zu schaffen und nennen es
Fortschritt - wie man Fortschritt pervertiert

 

 

Der Fortschrittsgedanke der Zivilisation
hat sich als ein Übermut des Menschen entschleiert.

Karl Jasper

 

Einleitung

Was macht eine Entwicklungsstufe komplett und was macht sie überflüssig? Welcher Fortschritt und welche Entwicklung ist heute noch als sinnvoll und ab welchem Punkt als kontraproduktiv anzusprechen? An den Entwicklungen selbst gelingt es schwieriger diesen Idealpunkt zu definieren als über diejenigen die diese Entwicklungen und Fortschritte durch ihr Verhalten bestätigen und fördern oder verhindern und beenden. Es werden daher vordergründig Verhaltensmuster zur Beantwortung dieser nicht immer ganz einfachen Fragenstellung herangezogen. Manche Musterbeispiele mögen übertrieben wirken, doch ist – das zeigt die Erfahrung - keine Übertreibung schlimmer als die Realität selbst.

Dieses Stoffwechselprodukt geistiger Anstrengungen begann spontan in einer geselligen Runde alter „Kampfgefährten“ zu Beginn 2006, sowie in zahllosen folgenden Gesprächen, Rückfragen und Hearings. Dabei wurde auch der Titel einige male verworfen, verändert und neu gewählt. Schlussendlich wurde mit einhelliger Meinung ein Ausspruch Tacitus´ leicht modifiziert ausgewählt (Tacitus: „Sie haben eine Wüste geschaffen und nennen es Frieden“).

 

Ein Verständigungsversuch über Fortschritt/Entwicklung und deren Umkehrung

Was ist überhaupt Fortschritt? Was ist eine Entwicklung? Schwer zu sagen wenn wir uns umsehen und die aktuelle Situation beurteilen wollen. Entwicklung ist dabei etwas einfacher zu bestimmen, insoferne diese jegliche Veränderung innerhalb einer bestimmten Zeitspanne umfasst. Bei Fortschritt sieht die Geschichte etwas anders aus. Der Impetus dieses Begriffs vermittelt einen „Erkenntniszugewinn“, also eine Möglichkeit für alle Lebewesen auf dieser Erde, lebensfähiger zu werden und im Gegenzug daraus mehr „Gefallen“ oder „Zufriedenheit“ zu beziehen. Zusammengefasst kann festgestellt werden: „Fortschritt“ klingt positiv, enthusiastisch und vielversprechend, „Entwicklung“ erscheint dagegen wertneutral.
  Ganz allgemein besteht heute der starke Eindruck der Neutralisation1 vieler positiv erscheinenden Wortassoziationen. Das wohl deshalb als alles was irgendwie erfolgversprechend sein könnte da hineinreklamiert wird und so zu einer Verwässerung der Begrifflichkeiten führt: Als eine Folge daraus mag die oftmalige Gleichsetzung von Fortschritt und Entwicklung verstanden werden, deren eigentliche Bedeutung aber eine gänzlich andere – sekundäre - Verwandlung erfuhr: Sie wurden solcherart zu fragwürdigen Hoffnungsträgern für eine noch fragwürdigere Zukunft.
  Nachdem die Inventur des Augenblicks eine objektive Bewertung eines vermeintlichen Fortschritts kaum zulässt, sind dafür andere Vergleichsmöglichkeiten heranzuziehen.
  Jules Silver schrieb 1976 in „Prophezeiungen bis zur Schwelle des 3. Jahrtausends“ über Voraussagen berühmter Seher und Seherinnen aus den vergangenen 1500 Jahren . Also über die Wahrscheinlichkeit bestimmter Entwicklungen in unserer Zeit. Diese Publikation erfolgte lange vor dem Milleniums-Hype und dem dabei erneut in Mode kommenden Kaffeesud-Lesen, wo kollektiver Schauder einer vielleicht vor der Türe stehenden Katastrophe eigenartige Gruselstimmung verbreitete. Wie wir alle wissen vergingen die Stunden, Tage und Wochen und nichts von allen möglichen, an die Wand gemalten Jahrtausendkrisen traf ein, was erneut eine bizarre Katerstimmung aufkommen ließ.
  Trotzdem haben solche Kompilationen wie Silver sie verfasste einen hohen Stellenwert für die Menschheitsgeschichte und vor allem für ihre Entwicklung. Gegebenenfalls sogar für ihren Fortschritt. Man weiß darum völlig unaufgeregt Bescheid. Mit diesem Peripheriewissen können zu beliebigen Zeitpunkten stichprobenweise Vergleiche zu unserem alltäglichen
Voranschreiten angestellt werden.

1 Die Destruktivisten, die Schuldigen von „Gestern, Heute + Morgen“ sind bestrebt ihre Gewinne sauber erscheinen zu lassen. Nachdem das aber auf normalem Weg kaum zu bewerkstelligen geht, werden Begriffe allmählich ausgehöhlt und neu besetzt. An sich eine uralte Strategie der „Tarnung + Täuschung“. Siehe auch „Das neue Wörterbuch des Unmenschen“

Beispiel: So kann sich jeder mittlerweile selbst davon überzeugen, dass die „Gelbe Invasion“ bereits voll im Gange ist. Chinesische Produkte überschwemmen den Weltmarkt und „ruinieren“ die Preise.
Produktionsstandorte werden zusehends nach China ausgelagert, die Arbeitsplätze im eigenen Land werden auch dadurch immer instabiler.

All das sind Begleiterscheinungen von Entwicklungen die jedenfalls stattfinden. Es berührt eigentümlich, wenn Fortschrittsproponenten (ja, so etwas gibt es tatsächlich!) ihren Job zwar ausgezeichnet machen, tatsächlich aber nur hochbezahlte Propaganda-Manager großer Konzerne oder politischer Parteien sind, deren erklärtes Ziel Gewinn- und Machtmaximierung ist. Dass das selbst nicht als Fortschritt gewertet werden kann sollte doch einsichtig sein, womit wir erneut zu den sich zusehends realisierenden Prophezeiungen zurückkommen.
  Fortschritt per se kann nur den Menschen in seiner Umwelt und in seiner Zukunft zum zentralen Gegenstand haben, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, politischer Ansicht, konfessioneller Zugehörigkeit, Vermögensstand, Alter und so weiter. Gleichschaltung kann kein menschenwürdiges Ziel eines Fortschritts sein.
  Aufgrund zahlreicher vorliegender Fakten muss aber von einer Abkehr dieser allgemein gültigen Fortschrittsprogrammatik ausgegangen werden. Der Mensch wurde heute überwiegend zur Zielscheibe eines Fortschritts, der sehr oft nur noch betroffen machen kann, wenn man nicht unmittelbar im Fadenkreuz zu stehen kommt. Ins „Schwarze getroffen“ ist Fortschritt heute aber zweifelsohne tödlich, verletzend allemal.

Anmerkung: Der amerikanische Evolutionsbiologe Jared Diamond beschreibt in seinem Buch „Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ , wie Kulturen, die ihre natürlichen Ressourcen zerstören, ihren eigenen Zusammenbruch einleiten. Kaum jemals, so Diamond, geschehe dies irrational, in Unkenntnis der Zusammenhänge. Der Grund sei vielmehr „rationales schlechtes Verhalten“, ein Handeln nach der Maxime: gut für mich, schlecht für dich .

 
1 Die Destruktivisten, die Schuldigen von „Gestern, Heute + Morgen“ sind bestrebt ihre Gewinne sauber erscheinen zu lassen. Nachdem das aber auf normalem Weg kaum zu bewerkstelligen geht, werden Begriffe allmählich ausgehöhlt und neu besetzt. An sich eine uralte Strategie der „Tarnung + Täuschung“. Siehe auch „Das neue Wörterbuch des Unmenschen“

 

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